Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden  

Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 7 Antworten
und wurde 235 mal aufgerufen
 SINATRA - DIE MUSIK (ALLGEMEIN)
Holger Schnabl
Prinzipal & Melancholiker


Beiträge: 1.635

05.09.2010 18:34
Sinatra ´65 / America I Hear You Singing (2010 Reissue) Zitat · antworten

Guten Tag!

Meine sehr verehrten Damen und Herren, werthe Besucherin, geschätzter Besucher: Sie, welche Sie Interesse an der musikalischen Hinterlassenschaft des Barden haben (was sonst sollte Sie etwa hierher in diese erquickende Einrichtung geführt haben), nahmen vermutlich allesamt schon Kenntnis davon, dass viele Sinatra-Platten seiner Reprise Jahre (1960-88), welche längere Zeit vergriffen waren, im heurigen Jahr (Zwotausendundzehn, zur geneigten Erinnerung) neu aufgelegt wurden und werden.

Je nun, erfreuliche Kunde für alle, welche erst in letzter Zeit ein Interesse am Sangeskünstler Sinatra entwickelten und zu ihrem Leidwesen feststellen mussten, dass etliches aus dem Repertoire nicht mehr auf CD zu erhalten war. Sehr zu unserer Genugtuung hat sich dies nunmehr geändert und zumindest der Reprise-Katalog ist wieder vollständig im Handel. Die neu hinzugekommenen Freunde der musikalischen Hinterlassenschaft des Barden können und dürfen also wieder aus dem Vollen schöpfen.

Aber auch jene Sinatra-Freunde, welche die vergriffenen Alben bereits seit Jahren ihr Eigen nannten, sollten die Wiederveröffentlichungswelle wachen Auges mitverfolgen: So etwa erschienen zuletzt mit Sinatra ´65 und America I Hear You Singing zwei Alben, welche zuvor noch nie auf CD erhältlich waren. Hier also ergibt sich auch für den altgedienten Kenner eine hervorragende Gelegenheit, seine Sammlung zu komplettieren.

America I Hear You Singing ist übrigens keine Sinatra-Platte im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr eine Gemeinschaftsproduktion von Bing Crosby, Fred Waring sowie eben auch dem Barden. Entsprechend wenige Sinatra-Songs sind auf dem Album vertreten: Sinatras Beiträge sind die Solo-Nummern Early American, You´re A Lucky Fellow Mr. Smith und The House I Live In sowie You Never Had It So Good und Let Us Break Bread Together im Duo mit Bing Crosby. Alle anderen Nummern werden von Bing Crosby bzw. Fred Waring And His Pennsylvanians dargeboten. Die Platte trieft geradezu vor Patriotismus und ist von dieser Warte aus gesehen ohnedies mit entsprechender Vorsicht zu genießen. Nichts trotz Desto begrüßt man freilich auch diese Veröffentlichung, da sie immerhin auch dazu beiträgt, das Gesamtbild Sinatras auf Tonträgern zu zeichnen.

Zur zwoten, auch für altgediente Sammler und Sinatra-Freunde interessanten Veröffentlichung, nämlich Sinatra ´65 weise ich Sie - mit Ihrer freundlichen Erlaubnis, meine sehr verehrten Damen und Herren - auf die Rezension selbigen Albums hin, welche ich schon vor Jahren, als eine Wiederveröffentlichung nicht im Raume stand, für meine wundervolle Sinatra-Seite verfasst habe.
Diese Besprechung, werthe Dame, lieber Herr, finden Sie just hier.

Abschließend möchte ich Sie, meine hochgeehrten Damen und Herren aus der Leserschaft darauf hinweisen, dass Ihre eigenen Eindrücke und Gedanken zu diesen Veröffentlichungen selbstverständlich hierorts mit Freuden begrüßt werden würden - handelt es sich bei dieser elektronischen Einrichtung schließlich um eine Plattform zu Kommunkation rund um den Barden. In diesem Sinne darf ich Sie wie immer höflichst ersuchen beziehungsweise bitten, - Zeit und Muse vorausgesetzt - dem Anspruch dieser in höchstem Maße gastlichen Einrichtung gerecht zu werden.

Allen noch einen gemütlichen Abend
H.S.


Statten Sie bei Gelegenheit auch meiner umfangreichen Sinatra-Webseite einen Besuch ab:
Entertainer Of The Century – Das ULTIMATE EVENT unter den Sinatra-Seiten

Holger Schnabl
Prinzipal & Melancholiker


Beiträge: 1.635

23.09.2010 15:48
#2 RE: Sinatra ´65 / America I Hear You Singing (2010 Reissue) Zitat · antworten

Guten Tag!

Meine hochverehrten Damen und Herren, werthes Publicum - ich möchte Ihnen keinesfalls meinen letzten und jüngsten Kauf verheimlichen:

Es handelt sich dabei um das vor kurzer Zeit erstmals auf CD erschienene Album Sinatra ´65, welches ich in erster, zwoter und letzter Linie ausschließlich aus Komplettierungs-Gründen erworben habe.



Dem altgedienten Sinatra-Interessierten bietet dieses Album nichts neues, sämtliche Lieder sind auch auf anderen Tonträgern des Barden erhältlich. Das Album war und ist eine Kompilation aus Aufnahmen der Jahre 1963-65, eine gar wilde Mixtur aus teils hochkarätigem und mehrheitlich absolut grauenvollem Liedgut. Weiteres können Sie, meine Damen und Herren, sofern Ihnen daran gelegen sei, hier nachlesen. Die Besprechung stammt aus dem Jahre Zwotausendundsechs, sobald die EOTC-Seiten NEU ins Netz gehen, wird es freilich eine überarbeitete, den jetzigen Gegebenheiten angepasste Version geben, darauf mein Wort, meine verehrten Damen und Herren, das Wort eines Prinzipals, welches sich vor allem und gerade auch dadurch auszeichnet, dass es niemals leichtfertig gegeben wird.

Je nun, die CD selbst ist reichlich dürftig ausgestattet - statt eines mehrseitigen Booklets ein simples Faltblatt, welches den Auszug eines von Stan Cornyn geführten Interviews mit Sinatras damaligem Produzenten Jimmy Bowen enthält. Meine Damen und Herren: Dies Interview ist wahrlich erschreckend in seiner entlarvenden Aufrichtigkeit hinsichtlich jenes Songmaterials, welches - produziert von Bowen und arrangiert von Ernie Freeman- seinerzeit dem Barden für Single-Veröffentlichungen vorgelegt wurde. Die Gedankengänge Bowens sind leider, leider heute im Musikgeschäft mehr denn je verbreitet. - In der Tat lief mir anläßlich der Lektüre ein ums andere Mal ein hundsföttisch-kalter Schauder des Entsetzens über den Rücken (zuerst hinunter und dann wieder hinauf, ein sich mehrfach wiederholender und extrem unangenehmer Ablauf).

Allen noch einen gemütlichen Abend
H.S.


Statten Sie bei Gelegenheit auch meiner umfangreichen Sinatra-Webseite einen Besuch ab:
Entertainer Of The Century – Das ULTIMATE EVENT unter den Sinatra-Seiten

Ulrich Groh
Erzürnter


Beiträge: 191

24.09.2010 00:25
#3 RE: Sinatra ´65 / America I Hear You Singing (2010 Reissue) Zitat · antworten

Guten Abend,

ich verstehe die in Sinatra-"Kreisen" weitverbreitete Arroganz nicht, mit der man viele Titel, die man als "Schnulzen" bezeichnen kann (aber hier stets im gehässig-überheblich-pseudoelitären Ton, als Beispiel nenne ich "Tell her"), als peinlich, obsolet, überfüssig oder wie auch immer zu bezeichnen pflegt. Der Terminus "Schnulze" ist genrebezeichnend, für mich jedoch nicht negativ besetzt. Als gefühlvoller, sentimentaler, aber auch selbstbewusster Mensch stehe ich voll dazu, die diesem Genre entsprechenden Songs des Gottlob (!) auf CD erschienenen Albums "Sinatra 65" als Bereicherung zu empfinden, sie zu genießen bzw. sie gar - um mit dem Lieblingsterminus des hiesigen Prinzipals zu sprechen - "ersprießlich" zu finden. Gleiches trifft auf die zugegebenermaßen patriotisch-überfrachteten Songs des "America, I hear you singing" zu, bei dem zumindest die Sinatra-Songs ob seiner wunderbaren Stimme die Anschaffung rechtfertigen.
Gerne dürfen alle im hiesigen Forum die Nase rümpfen ob eines solchen "Nestbeschmutzers", der von Kunst offensichtlich nichts versteht - damit kann ich leben...

"Die Überzeugung, dass es nur eine Wahrheit gibt und man selbst in ihrem Besitz ist, ist die tiefste Wurzel allen Übels der Welt." (Max Born)

Holger Schnabl
Prinzipal & Melancholiker


Beiträge: 1.635

24.09.2010 18:50
#4 RE: Sinatra ´65 / America I Hear You Singing (2010 Reissue) Zitat · antworten

Guten Tag!

Oh, hierorts pflegen wir nicht die Nase zu rümpfen ob der Hörgewohnheiten unserer Mitglieder - wir tolerieren alles von Punk bis Polka. Wir argumentieren ohne persönliche Untergriffe und lassen jedem das Recht auf seine Meinung, die uns gleich viel gilt wie die eigene und sey sie hundertmal gegensätzlicher Natur. Gerade von den gegensätzlichen Meinungen lebt ein Diskussionsforum und gerade das Thema "Sinatras musikalisches Vermächtnis" ist prädestiniert für den Austausch auch gegensätzlicher Meinungen.

Um für meinen Teil zu sprechen: Nicht die Tatsache, dass vielleicht manches aus Sinatras Schaffen dem Genre „Schnulze“ zuzuordnen wäre, läßt mich angelegentlich einiger Titel die Nase rümpfen - eine Schnulze (wenn man den Begriff gebrauchen will) ist nicht per se verdammenswerth, künstlerisch minderwerthig oder ähnliches.
Freilich muss man aber zumindest für sich persoenlich eine Trennlinie ziehen, ansonsten könnte man sich gleich den gesammelten Werken von Engelbert Humperdinck ergeben.

Mir geht es dabei stets um die Qualität von Songmaterial (Melodie und Text) sowie Arrangement und freilich auch immer um die stimmliche Verfassung des Barden. Letztere war allerdings zumindest bis 1965 und mit einigen Einschränkungen bis 1970 fast immer über jeden Zweifel erhaben. Wo diese genannten Komponenten in erquicklicher Form zusammentrafen, entstanden die Sternstunden in des Barden Sanges-Karriere. - Mitunter aber war diese Vereinigung auch unersprießlich, namentlich wenn eine oder auch mehrere der genannten Variablen von eher minderer Qualität waren.

Je nun, um auf des Pudels Punkt zu kommen: grob gesagt, gibt es Schnulzen guter und schlechter Qualität. Mancher mag auch „My One And Only Love“ als Schnulze bezeichnen, wohlan: Dann aber ist es eine Schnulze hoher Qualität. Diesen Satz könnte man auf viele Sinatra-Aufnahmen anwenden, speziell auch auf seine Arbeiten der 40er-Jahre. Das in den 50er-Jahren hereinbrechende Rock And Roll- Zeitalter stellte für Sinatra eine beträchtliche Gefahr dar, dennoch hat er sich davon nicht beirren lassen und ist seinen Weg konsequent gegangen und hat zur Blütezeit des Rock And Roll eine Vielzahl bahnbrechender und zurecht gepriesener Concept-Alben aufgenommen. Auch die freilich vergleichsweise etwas leichtgewichtigeren Single-Einspielungen dieser Zeit weisen in fast jedem Fall eine unbestreitbare Qualität hinsichtlich Melodie, Text und Arrangement auf. Dies änderte sich allerdings mit der Beat-Welle der 60er-Jahre, als man den nunmehr in die Jahre kommenden Sinatra auch für ein jüngeres Publicum attraktiv machen wollte - und dies, wie wir sehen werden, auf Biegen und Brechen. Meine Damen und Herren, vieles in der Bewertung musikalischen Schaffens ist Sache des subjektiven Empfindens des jeweiligen Hörers, freilich, freilich... Dennoch, dennoch: gewisse Kriterien zur annähernd objektiven Bewertung können leicht gefunden und festgemacht werden, das Ersprießliche somit vom Unersprießlichen, das Erquickliche vom Unerquicklichen geschieden werden.

Die Merhrzahl der auf Sinatra ´65 enthaltenen Titel fällt für mich in die Kategorie „Andienen an den Zeitgeist“ - sprich man gab Sinatra Songs zu singen, welche ihn als Künstler nicht forderten. Sinatra, welcher zu Columbia-Zeiten mitunter die Aufnahme ihm inferior erscheinenden Liedgutes verweigerte, wich nunmehr von diesen hehren Grundprinzipien ab und ließ mit Ernie Freeman sogar eigens einen Arrangeur anheuern, welcher seinen Songs (mehrheitlich Titel für den Single-Markt) einen moderneren Anstrich geben sollte. Die Arrangements eben dieses Monsieur Freeman sind mir persönlich zu simpel, zu plakativ, zu primitiv, zu plump, das Liedgut allgemein nicht eines Künstlers vom Range Sinatras würdig und in der Tat, diese Songs sind nur ein Zugeständnis an den Zeitgeist, um Sinatras Musik auch in der Beat-Welle der 60er Jahre im Radio spielbar erscheinen zu lassen. Ich verweise diesbezüglich nochmals auf das ebenso aufschlussreiche wie entlarvende Interview mit Jimmy Bowen in den Liner-Notes von „Sinatra ´65“. Tell Her, When Somebody Loves You, Somewhere In Your Heart sind (meiner bescheidenen Meinung nach) eines Sinatra nicht würdig und erscheinen mir um so grauenvoller, wenn man sich die sonstigen mehrheitlich hochgradig erquicklichen Leistungen des Barden bis 1965 vor Ohren hält. Meine Kritik an Songs dieser Art schließt auch die Alben That´s Life sowie The World We Knew und Cycles mit ein, zu größeren Teilen auch die Alben Ol´ Blue Eyes Is Back sowie Some Nice Things I´ve Missed. Meine sehr verehrten Damen und Herren: mir erschließt sich trotz längerem Nachsinnens die Sinnhaftigkeit einer Sinatra-Aufnahme von Tie A Yellow Ribbon... ganz und gar nicht. Diese Negativ-Beispiele aus Sinatras Karriere stoßen besonders sauer auf, wenn man die früheren Leistungen des Barden zu schätzen gelernt hat. Oooohhhhhh, meine hochverehrten Damen und Herren - Sie alle kennen und schätzen diese Werke, ich darf darauf verzichten sie gesondert anzuführen. - - - Wenn nun dem einen und anderen Hörer, der einen und anderen Hörerin auch das von mir gern verteufelte Liedgut gefällt, so mag er/sie weiterhin seine Freude daran haben - nichts liegt mir ferner, als jemandes Geschmack nicht zu tolerieren. Ich für meinen Teil jedoch meine, dass Sinatra mit der Aufnahme diesen Liedgutes sein Licht aus kommerziellen Überlegungen weit unter den Scheffel gestellt hat, im Grunde wertvolle Zeit damit vergeudet hat, musikalischen Modeströmungen nachzulaufen - dies in einem Alter, wo die Aussicht, ein jugendliches Publicum zu erreichen, ohnedies ausgesprochen gering war.

Meine Damen und Herren, gestatten Sie mir freundlichst zum Abschluss noch einen der allergrößten, allerschlimmsten, allerunverzeihlichsten Fehler Sinatras bei der Auswahl von ihm aufzunehmenden Liedgutes zu nennen - nämlich Forget Domani. Das, werthes Publicum ist namenloses Grauen, darüber dürfte weitestgehend Einigkeit bestehen (fast ebenso große Fehler waren aus meiner Sicht übrigens auch Sinatras Einspielungen der Songs Strangers In The Night, Somethin´ Stupid, My Way und That´s Life - alles Songs, welche Sinatras nicht würdig waren und seiner Reputation als ernstzunehmendem Künstler zum Theil ganz enorm geschadet haben).

Allen noch einen gemütlichen Abend
H.S.


Statten Sie bei Gelegenheit auch meiner umfangreichen Sinatra-Webseite einen Besuch ab:
Entertainer Of The Century – Das ULTIMATE EVENT unter den Sinatra-Seiten

Ulrich Groh
Erzürnter


Beiträge: 191

26.09.2010 15:51
#5 RE: Sinatra ´65 / America I Hear You Singing (2010 Reissue) Zitat · antworten

Hallo,

Songs wie "Tie a yellow ribbon..." oder "Mrs.Robinson" finde ich ebenfalls miserabel; eine vergebliche Anbiederung an den Zeitgeist, bei dem es dem Maestro überdies nicht gelingt, die Originale verblassen zu lassen - schlimmer noch: Er bleibt selbst blass.
Wie du, Holger, unterscheide auch ich zwischen stimmlichen Glanzleistungen und eher gegenteiligem Vortrag. Ich bin kritischer Bewunderer, kein Fan! Aber Songs wie "My way", "That´s life" oder "Strangers in the night" in die Resteentsorgungstonne zu packen, erschließt sich mir so ganz und gar nicht. Warum muss ein fantastischer Künstler stets seinen vokalen Qualitäten entsprechend gefordert werden? Abgesehen davon, dass zwei der obigen Titel für mich diesem Kriterium genügen gibt es auch Songs, die aufgrund ihrer Aussage, ihrer Komposition "zurückgefahren" interpretiert werden müssen, da die volle Wucht der Stimme den Charakter zerstören würde - so ist´s bei "Strangers in the night", einem für mich einzigartigen Titel, der zu Recht zum Evergreen avancierte.
Bedauerlich allerdings, dass Mr.Sinatra von "Unwissenden" (der ich ja auch einmal war), nur über seine Hits definiert wird und man leicht versucht ist, "Strangers" oder "Somethin´ stupid" als Maximum seiner Sangeskunst anzusehen - ein Los, das er übrigens mit jedem anderen Langzeitkünstler teilt, da sich das breite Publikum nun einmal an den Hits orientiert und die auf Langspielplatten versteckten Kostbarkeiten meist gar nicht für sich zu entdecken weiß. So war´s, so ist´s, so wird´s immer bleiben.
Grüße an alle!

"Die Überzeugung, dass es nur eine Wahrheit gibt und man selbst in ihrem Besitz ist, ist die tiefste Wurzel allen Übels der Welt." (Max Born)

Ulrich Groh
Erzürnter


Beiträge: 191

26.09.2010 16:04
#6 RE: Sinatra ´65 / America I Hear You Singing (2010 Reissue) Zitat · antworten

P.S. Mireille Mathieu ist ein Beispiel dafür. Wer sie nur von deutschem Boden aus kennt, assoziiert sie grundsätzlich mit "Aktopolis adieu", "Hinter den Kulissen von Paris" etc. - nette Schlager, die ihr vokales Potential völlig unterfordern. Schlagersängerin eben. Aber nur hier. Kennt man internationale Produktionen wie die Arbeiten mit Ennio Morricone oder Paul Anka, um nur zwei der vielen gelungenen Beispiele zu nennen, so tun sich Welten auf, die von solcher Schönheit und hochwertiger Qualität sind, dass man sie nicht mehr verlassen möchte. Und man versteht plötzlich, weshalb sie ein Weltstar wurde, der sich international seit 45 Jahren auf hohem Niveau hält, während sie in Deutschland aktuell Schwachsinn für den "Musikantenstadl" bringt und sich damit auf unverzeihliche Weise vergeudet. Wie toll ihre Arbeiten mit Gene Kelly, mit Sammy Davis jr., mit Dean Martin, mit Placido Domingo, der Angst hatte, von ihr gegen die Wand gesungen zu werden, wie es seiner Biographie zu entnehmen ist... Leider gab es nie eine künstlerische Zusammenarbeit mit Sinatra, was ich zutiefst bedaure...

"Die Überzeugung, dass es nur eine Wahrheit gibt und man selbst in ihrem Besitz ist, ist die tiefste Wurzel allen Übels der Welt." (Max Born)

Holger Schnabl
Prinzipal & Melancholiker


Beiträge: 1.635

27.09.2010 18:38
#7 RE: Sinatra ´65 / America I Hear You Singing (2010 Reissue) Zitat · antworten

Guten Tag!

In der Tat, die Tatsache, dass der Barde von der breiten Öffentlichkeit stets mit My Way und/oder Strangers In The Nigth assoziiert wird, stimmte mich schon öfters verdrießlich... Wie du zurecht gesagt hast, fixiert die Masse leider immer die Hits eines Künstlers und den wirklich bedeutsamen Aufnahmen wird zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Was Mireille Mathieu anbetrifft: Ich besitze ein französischsprachiges Album (Les Grandes Chansons) sowie das wunderbare Morricone-Album. Madame ist für mich die vielleicht beste Sängerin auf Erden, Technik und Stimme sind überwältigend - unglückseligerweise wurde und wird sie als Schlagersängerin verkannt und leider Gottes war und ist sie selbst stets allzu bereit, in diesen zugegebenermaßen sehr einträglichen Gewässern zu dümpeln und dergestalt ihren Ruf als Schlagersängerin zu zementieren. Dies obwohl ihre Stärke das französische Chanson ist. Ihre Stimme jedoch ist unvergleichlich, ihr Potenzial (welches sie leider oft vergeudet(e)) schier unendlich. Oh meine Damen und Herren, wagen Sie die Probe aufs Exempel!

Allen noch einen gemütlichen Abend
H.S.


Statten Sie bei Gelegenheit auch meiner umfangreichen Sinatra-Webseite einen Besuch ab:
Entertainer Of The Century – Das ULTIMATE EVENT unter den Sinatra-Seiten

Ulrich Groh
Erzürnter


Beiträge: 191

28.09.2010 23:59
#8 RE: Sinatra ´65 / America I Hear You Singing (2010 Reissue) Zitat · antworten

Wie recht du hast, lieber Holger. Ich habe sie im Palais des Congres sowie mehrere Male live im Pariser Olympia erlebt und konnte es nicht fassen, dass ein so kleiner Mensch wie Mademoiselle (so nennt sie sich selber, tat Coco Chanel übrigens ebenso; typisch für feine Pariser Damen der Oberschicht) über ein derart immenses Stimmvolumen verfügt. Und Charisma. So klein sie ist, so sehr beherrscht sie die Bühne.
Das tut sie auch in Deutschland. Ich habe Konzerte der diesjährigen Tournee besucht. Und immer das Gleiche: Enthusiasmus bei den Schlagern, Höflichkeitsapplaus bei den qualitativ hochwertigen Chansons. (So wird es immer bleiben, tagein, tagaus toujours - zumindest hierzulande).
Ich habe über 750 Tonträger der Mathieu (allein 50 aus Japan, dann USA, sogar China, dem Iran, der ganzen Welt); besitze das komplette Repertoire weltweit (wieviele Songs nahm FS auf? Ungefähr die gleiche Zahl, nicht wahr?). Interessant dabei die Parallelen zu unserem Maestro, denn vom überirdisch anmutenden Meisterwerk bis zum grottenschlechtesten Schlager ist alles vertreten...
Mit der "Morricone"-LP bist du im Besitz eines der vielen zeitlosen Meisterwerke. Solltest du einmal Lust verspüren, Mademoiselle qualitativ hochwertig in Optik wie Akustik zu erleben, kann ich dir die Doppel-DVD "Mireille Mathieu live im / live a l´Olympia" von 2005 wärmstens ans Herz legen. Dort gebe ich übrigens selbst mein DVD-Debut dergestalt, dass ich beim Überreichen eines Rosenstraußes nach "Paris en colere" an der Bühne sichtbar werde, was mich selbst nach Erwerb sehr überraschte.-
In der Tat ist la Mathieu die beste Live-Sängerin, die ich kenne. So wie Mr.Sinatra den männlichen Gegenpart hierzu einnimmt. Nur habe ich ihn erst sehr(!) viel später für mich entdeckt, so dass mir keine Gelegenheit mehr blieb, ihn live genießen zu können. Dies ist ebenso betrüblich wie die Tatsache, dass diese beiden Ausnahmekünstler nie gemeinsam gearbeitet haben.

"Die Überzeugung, dass es nur eine Wahrheit gibt und man selbst in ihrem Besitz ist, ist die tiefste Wurzel allen Übels der Welt." (Max Born)

 Sprung  

Sehr geehrte Damen und Herren Leserinnen und Leser - Sie befinden sich in einer Kommunikationseinrichtung, welche den ENTERTAINER OF THE CENTURY (mit anderen Worten SINATRA, SINATRA und nochmals SINATRA) in ersprießlicher Weise thematisiert wissen möchte. Geschätztes Publicum: Diese Einrichtung ist in der Tat so hochgradig erquickend, so ungemein gastlich, der Wohlfühlfaktor so enorm hoch, dass es kurzum nichts Geringeres denn eine wahre Lust ist, sich hierorts aufzuhalten und sich durch die mannigfaltigen Rubriken zu bewegen! Sehen Sie sich gut und in aller Ruhe um und Sie werden - darauf mein Wort - nicht umhinkommen zu sagen: "Hier ist es schön, hier will ich bleiben."

*** Wertes Publicum: FRAU CHARLOTTE ROCHE ist eine GÖTTIN - eine WAHRE GÖTTIN ***

Xobor Xobor Forum Software
Einfach ein eigenes Forum erstellen