Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden  

Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 504 mal aufgerufen
 SINATRA - DIE FILME
T.Bode
Verschollener


Beiträge: 836

19.11.2005 05:41
Pal Joey (1957) Zitat · antworten

Im Jahre 1957 drehte Frank Sinatra einen Film, der auf dem Musical "Pal Joey" von Richard Roger/Lorenz Hart basierte.
Seinerzeit spielte Sinatras Freund Gene Kelly in diesem Musical die Hauptrolle.
Als weibliche Verstärkung für Sinatra wurden Kim Novak und Rita Hayworth engagiert.
Die Songs wurden allesamt von Nelson Riddle arrangiert.

Also, Ihr Leute, wie bewertet Ihr diesen wunderbaren Film?

Holger Schnabl
Prinzipal & Melancholiker


Beiträge: 1.635

26.11.2005 15:59
#2 RE: Pal Joey (1957) Zitat · antworten

Guten Tag!

Je nun, ich habe diesen Film zuletzt vor vielen Jahren im TV mitzuverfolgen die Gelegenheit gehabt – daher sind meine Erinnerungen an Details nur mehr in begrenztem Umfange, eigentlich nur sehr rudimentär vorhanden. Ich entsinne mich aber, dass ich mich einzig der Mitwirkung Sinatras wegen vor das TV-Gerät gelegt habe – für gewöhnlich bin ich nämlich kein besonders großer Freund von Film-Musicals. Schon als Dreikäsehoch fand ich es stets seltsam, ja hochgradig befremdlich, dass in diesen Filmen Personen, die gerade eben noch relativ vernünftig miteinander geredet hatten, urplötzlich zu singen begonnen haben. Diese Einstellung zur Materie ist mehr oder weniger bis heute an mir haften geblieben.

So habe ich mir denn seinerzeit diesen Film auch getreulich zu Ende angesehen, wenn auch ohne ein wirklich großes Interesse. In der Tat, wäre mir der Fernseher nach der ersten Stunde explodiert, wäre ich ob der versäumten zwoten Stunde nicht wirklich von Herzen betrübt gewesen. Die Handlung ist an sich typisch für diese Filmgattung: irgendeine Type (hier eben Sinatra) pendelt zwischen zwo Damen hin und her, bis sich am Ende alle Handlungsstränge in Wohlgefallen auflösen.

Die Musik dazwischen ist allerdings erstklassig und Sinatra singt einige ganz hervorragende Songs, inzwischen alle auch nachzuhören innerhalb der 6-CD-Box „Sinatra in Hollywood“ oder – falls noch erhältlich - auf dem Soundtrack zum Film. Der Soundtrack enthält allerdings, so weit ich weiß, im Studio neu eingespielte Versionen, ist also nicht ident mit dem, was im Film selbst zu hören ist. Fazit: Wem Musicals prinzipiell gefallen, wird auch hier ganz gut bedient, wem es allerdings nur auf die von Sinatra gesungenen Songs ankommt, kann die Prozedur bedeutend abkürzen, indem er zu oben erwähnten CD´s greift. Ich persönlich würde mir den Film nicht kaufen (ich bin ohnehin entschiedener DVD-Gegner und auf dem hehren Medium VHS dürfte der Film heutigentags ohnedies schon lange nicht mehr erhältlich sein), aber im TV möglicherweise noch ein weiteres Mal ansehen, da – wie oben erwähnt – die letzte Begegnung mit diesem Film bereits sehr lange zurückliegt.


Allen noch einen gemütlichen Abend
H.S.

Sinatra - Entertainer Of The Century
http://www.geocities.com/allthewaysinatra
“...die Diskussion geht weiter!...wo wenn nicht hier, wann wenn nicht jetzt?“

T.Bode
Verschollener


Beiträge: 836

23.04.2006 15:13
#3 RE: Pal Joey (1957) Zitat · antworten
Viele Streifen werden, wie mir die meisten Filmefreunde beipflichten werden, durch eine miese und unzureichende Synchronisation verstümmelt.
Wenn es dann noch um einen Film mit einer der markantesten Stimmen in der Hauptrolle geht, bekommt das Ganze noch eine ganz andere Bedeutung.
Dies ist jedoch nicht alles!

Ich habe mir "Pal Joey" vor einigen Monaten auf DVD gekauft und bin ehrlich gesagt einigermaßen geschockt, um wie viel besser er im Original ist.
Es geht mir der deutschen Übersetzung unglaublich viel verloren, besonders vom Charakter des Joey.
In der deutschen Fassung ist er tatsächlich - wie von Holger ausgedrückt - nichts mehr als eine Type. Im Original spricht er z.B. Gossensprache, was Sinatra auch genügend Raum gibt, zu brillieren (Er ist ja in Hoboken aufgewachsen, also in einem Umfeld, das für seine Gossensprache bekannt ist). So geht viel, ja Essentielles vom Witz des Filmes verloren.
Hier ein Beispiel.
In der Szene, wo Joey diese Alte da besucht (Vera), nachdem sie ihn am Vorabend so übel mitgespielt hat, kommt der Butler zu ihr auf die Veranda, um ihr mitzuteilen, dass da ein Herr ist bla bla bla, in der deutschen Version
lautet der Dialog folgendermaßen:

Butler: "Verzeihung Mrs. Simpson, ein Herr möchte Sie sprechen.
Als ich ihn nach seinem Namen fragte, sagte er, er sei der Mann mit der Sportmaschine und er würde gerade wieder fliegen."
Vera: "Ach das ist der mit dem Looping rückwärts..."

Auf Englisch lautet der Dialog völlig anders, nämlich so:
Butler: "Excuse me Madame, there's a gentleman to see you. He wouldn't give his name, and when I asked his business he seemed to talk a vernacular I simply couldn't follow!"
Vera: "It sounds like Superboy."
Butler: "I beg your pardon?"
Vera: "Same vernacular..."

Wie man sieht, hat die deutsche Übersetzung mit dem Original nicht viel zu tun, da eine Mende vom ursprünglichen Witz verlorengegangen ist.

Ein weiterer Punkt ist, dass der Film und seine Dialoge oft mehr als Zweideutig sind, in der deutschen Version dringt es durch, jedoch entschärft.
Im englischen Original sagt die Dame, bei der Joey sein Zimmer mietet ganz frank und frei, dass Sex in ihrem Haus nicht erlaubt sei, in der deutschen Version ist von Damenbesuch die Rede...

Alles in Allem ist die englische Originalversion also Pflicht; ohne den Charme des Originals erscheint auch die Leistung Sinatra's in einem anderen Licht, er wirkt viel steifer.
Meiner Meinung nach hat Sinatra nicht umsonst und zurecht den Golden Globe für seine Leistung hier bekommen, in der deutschen Version ist das leider nicht so leicht nachzuvollziehen...

Lässt das den Film auch für dich in einem anderen Licht erscheinen, Holger?


Thorsten Bode

"May you all live to be 150 years old, and may the last post you read be mine!"

F. X. Huber
Fahnenflüchtiger


Beiträge: 408

26.01.2010 15:19
#4 RE: Pal Joey (1957) Zitat · antworten

Wie Holger bereits sagte: Die Musik ist durchaus hörenswert, aber der Film hat mich mehr als enttäuscht. Selbst Can-Can oder Guys & Dolls mit all ihren Längen ziehen sich weniger als dieses kurze Stück. Sinatras Szenen mit dem Hund sind fürchterlich, die Handlung wirkt verstörend, unausgegoren und nicht abgeschlossen.

Wenn Sinatra der Auswahl seiner Musik mit der berühmten perfektionistischen Kritikfähigkeit gegenüberstand, warum hat er diesen Film zugelassen? (Und Some Like It Hot abgelehnt ...)
Nach dem Kauf habe ich den Streifen ein einziges Mal angeschaut. Was sollte mich motivieren, es ein zweites Mal zu tun? Schade, dass man DVDs so schwer vergammeln lassen kann. Mit dieser würde ich es tun.

Be who you are and say what you feel because those who mind don't matter and those who matter don't mind.

 Sprung  

Sehr geehrte Damen und Herren Leserinnen und Leser - Sie befinden sich in einer Kommunikationseinrichtung, welche den ENTERTAINER OF THE CENTURY (mit anderen Worten SINATRA, SINATRA und nochmals SINATRA) in ersprießlicher Weise thematisiert wissen möchte. Geschätztes Publicum: Diese Einrichtung ist in der Tat so hochgradig erquickend, so ungemein gastlich, der Wohlfühlfaktor so enorm hoch, dass es kurzum nichts Geringeres denn eine wahre Lust ist, sich hierorts aufzuhalten und sich durch die mannigfaltigen Rubriken zu bewegen! Sehen Sie sich gut und in aller Ruhe um und Sie werden - darauf mein Wort - nicht umhinkommen zu sagen: "Hier ist es schön, hier will ich bleiben."

*** Wertes Publicum: FRAU CHARLOTTE ROCHE ist eine GÖTTIN - eine WAHRE GÖTTIN ***

Xobor Xobor Forum Software
Einfach ein eigenes Forum erstellen