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Dieses Thema hat 11 Antworten
und wurde 617 mal aufgerufen
 SINATRA - DIE STUDIO-ALBEN
Holger Schnabl
Prinzipal & Melancholiker


Beiträge: 1.635

10.11.2005 18:46
Duets (Capitol-Album, 1993) Zitat · antworten

Guten Tag!

Seit 1984 („L.A. Is My Lady“) hatte Sinatra kein neues Album mehr aufgenommen, nur wenige einzelne Songs, die man an den Fingern einer Hand abzählen kann, entstanden zwischen 1985 und 1988 und blieben überdies unveröffentlicht (jedenfalls bis 1995). Daher war es mehr oder weniger eine kleine, ja vielleicht sogar große Sensation, als 1993 bekannt wurde, dass Sinatra noch einmal für ein Duett-Album in ein Aufnahmestudio zurückzukehren beabsichtigte.

Zunächst war Sinatra ganz und gar nicht erbaut von dem Gedanken, ein neues Album aufzunehmen und sah selbst wenig Sinn darin, seine alten Songs noch einmal im Studio zu singen. Nachdem man ihm dann freilich klargemacht hatte, dass er sich nicht wirklich mit anderen Sängern und Sängerinnen das Mikrofon zu teilen brauchte, sondern dass die moderne Technik helfend einspringen würde, war der Zaudernde alsbald umgestimmt. Die glänzenden Erfolgsaussichten dieses Albums (es sollte unter Mitwirkung zugkräftiger und verkaufsfördernder großer Namen aus allen Musik-Genres von Klassik bis Pop ein riesiger Markt potentieller Käufer angesprochen werden) mögen seine Entscheidung sicherlich beeinflußt haben.

Je nun, obwohl man meines Wissens nach im Vorfeld der Produktion auch daran dachte, Sinatras Beiträge zur Gänze aus Live-Aufnahmen zusammenzustücken, musste man sich also doch nicht mit bereits aufgenommenen Material begnügen, sondern hielt im Juli und Oktober 1993 Aufnahmesessions mit Sinatra persönlich ab, wobei das damals aufgenommene Material für zwei Veröffentlichungen Verwendung fand. Die erste dieser Veröffentlichungen sei nun unsere neues Diskussionsthema, liebe Besucher dieses Forums: Duets

The Lady Is A Tramp
What Now My Love
I´ve Got A Crush On You
Summer Wind
Come Rain Or Come Shine
New York New York
They Can´t Take That Away From Me
You Make Me Feel So Young
Guess I´ll Hang My Tears Out To Dry/
In The Wee Small Hours Of The Morning
I`ve Got The World On A String
Witchcraft
I´ve Got You Under My Skin
All The Way/One For My Baby


Die Duett-Partner in der Reihenfolge ihres Auftretens:

Luther Vandross
Aretha Franklin
Barbra Streisand
Julio Iglesias
Gloria Estefan
Tony Bennett
Natalie Cole
Charles Aznavour
Carly Simon
Liza Minnelli
Anita Baker
Bono
Kenny G.

Rein kommerziell gesehen waren „Duets“ und das Nachfolge-Album „Duets II“ übrigens die erfolgreichsten Platten in Sinatras Karriere - „Duets II“ erreichte Rang Numero Fünf der Billboard-Charts, während es „Duets“ sogar auf Rang Zwo brachte – zumindest wenn es nach den offiziellen Angaben der Billboard-Website geht. Nancy Sinatras Buch „American Legend“ erzählt dagegen eine andere Variante: NOVEMBER 16, 1993: Within weeks of its release, Duets sold a million copies and rocketed to the number-one position on the Billboard chart. When Duets reached number one, Dad called me and said, „We´re number one! We´re number one“

Was also ist Ihre Meinung zu „Duets“, zur gesanglichen Leistung des damals beinahe 78jährigen Sängers, zu seinen Duett-Partnern, zum künstlerischen Gehalt bzw. Wert dieser Produktion? Wie immer darf ich Sie nunmehr also dazu einladen, sich etwas näher mit dem Thema zu beschäftigen und mit Ihren Beiträgen zu einer ersprießlichen und unterhaltsamen Diskussion beizutragen, teilen Sie uns Ihre Ansichten zu „Duets“ mit und liefern Sie gegebenenfalls zusätzliche Informationen.

Ich darf Sie ersuchen, sich bei Ihren Beiträgen zunächst auf das erste „Duets“-Album zu konzentrieren – das Nachfolge-Album wird zu gegebener Zeit selbstverständlich ebenfalls noch zum Thema gemacht werden.


Allen noch einen gemütlichen Abend
H.S.

Sinatra - Entertainer Of The Century
http://www.geocities.com/allthewaysinatra
“...die Diskussion geht weiter!...wo wenn nicht hier, wann wenn nicht jetzt?“

T.Bode
Verschollener


Beiträge: 836

11.11.2005 22:16
#2 RE: Duets (Capitol-Album, 1993) Zitat · antworten

Sieht man mal vom Alter des Sängers ab, sticht wohl vordergründig die Aufnahmemethode des Albums auf den Magen.
Wirklich ganz furchtbar, dass Sinatra sich bereit erklärt hat, die schlimmste Seite Kommerz auf diese Art und Weise zu unterstützen.

Mehr zum Album werde ich mrgen, ich bin im Moment ein wenig eingespannt.

T.Bode
Verschollener


Beiträge: 836

31.03.2006 12:17
#3 RE: Duets (Capitol-Album, 1993) Zitat · antworten

Frage an das umtriebige Publikum: Kennen Sie das Musikvideo zum "Duett" mit Bono Vox, das anlässlich des Klon-Albums "Duets" auf einschlägigen Musiksendern lief?
Wenn ja, Wie sind Ihre Eindrücke? Ich bin gerade noch dabei, angesichts des Schocks, der mich gerade durchfuhr, meine Gedanken zu sortieren...

Holger Schnabl
Prinzipal & Melancholiker


Beiträge: 1.635

01.04.2006 22:56
#4 RE: Duets (Capitol-Album, 1993) Zitat · antworten

Guten Tag!

Ich entsinne mich dunkel, es seinerzeit einmal gesehen zu haben. Soweit mir erinnerlich, wird Sinatra im Video bei einem Live-Auftritt gezeigt – wobei er allerdings einen ausgesprochen ausgemüdeten, desorientierten und – um die Wahrheit zu sagen – kläglichen Eindruck macht.
Naturgemäß müssen bei so einer Gegenüberstellung sämtliche Punkte an den charismatischen Bono gehen und Sinatra muss geradezu zwangsweise und im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen.

Dieses sogenannte Duett ist natürlich ein Trauerspiel: Hier ein überstandener Uralt-Star mit ruinierter Stimme, der die eigene Legende ein letztes Mal aufzupeppen versucht, indem er aktuelle Stars an seine Seite holt bzw. hat holen lassen, dort ein Rockstar, der zwar auf seinem eigenen Terrain Großartiges leistet, aber hier völlig fehlbesetzt ist.

Die beiden haben sich beim Dreh übrigens so viel ich weiß tatsächlich (kurz) getroffen, die Atmosphäre soll nicht gerade überschwänglich gewesen sein – Sinatra soll Bono mehr oder weniger links liegen haben lassen, soll auch ohne Verabschiedung wieder abgerauscht sein. Bono dagegen revanchierte sich (zumindest ist das meine Auffassung) mit der Rede anläßlich der Verleihung des Legend Awards – was manche für die Huldigung an Sinatra gehalten haben, ist für mich ein als Lob gut getarntes „sich-lustig-machen-über-Sinatra“. Ob Bono nun über Sinatras Verhalten erbost war oder nicht: Für mich kommt in der Rede zwischen den Zeilen ganz klar seine Verachtung für Sinatra zum Ausdruck.

Den Text der Rede finden Sie im Buch „An American Legend“ (Nancy Sinatra), aber auch im Internet ist die Rede zu finden, einen Link dazu kann ich leider nicht angeben, aber bei entsprechender Eingabe von Suchbegriffen werden Sie, werthes Publicum, mithilfs einer geeigneten Suchmaschine zweifelsohne fündig werden. Lesen Sie den Text und Sie werden nicht umhinkommen, meine Auffassung zu teilen: Bono macht sich in seiner Rede über Sinatra lustig.


Allen noch einen gemütlichen Abend
H.S.

Sinatra - Entertainer Of The Century
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T.Bode
Verschollener


Beiträge: 836

02.04.2006 18:07
#5 RE: Duets (Capitol-Album, 1993) Zitat · antworten
Ich habe die Rede mal rausgesucht, steht unten.
Übrigens, man sollte beachten, dass Bono in dem Song "...don't you know old fool, xou never can win..."!
Ich kann mir vorstellen, dass das Sinatra cnicht gerade Pläsier bereitet hat, im Grunde ist es auch eine Respektlosigkeit, besonders für einen Mann wie Sinatra, der aus einer ganz anderen Generation stammt und es vielleicht nicht so gelassen nimmt, wie wir heute; selbst, wenn Bono es ganz anders gemeint hat (sofern er sich überhaupt etwas dabei gedacht, was ich ehrlich gesagt glaube).

Wie auch immer, in Reden, Worten etc. kann man auch viel hineindeuten, in sofern kann mansagen, dass Bono's Rede vielleicht zweideutig zu bewerten ist (so ein Schlitzohr).
So kann man aus einem bestimmten Blickwinkel durchaus einen gewissen Sarkasmus in der Rede erkennen.

So, hier nun die Rede:

GRAMMY LEGEND
Presentation Speech by Bono

Frank never did like rock 'n' roll. And he's not crazy about guys wearing earrings either, but hey, he doesn't hold it against me and anyway, the feeling's not mutual.

Rock 'n' roll people love Frank Sinatra because Frank Sinatra has got what we want: swagger and attitude. He's big on attitude, serious attitude. Bad attitude. Frank's The Chairman of the Bad.

Rock 'n' roll plays at being tough, but this guy's, well, he's the Boss, the Boss of Bosses, the Man. Big Daddy. The Big Bang of Pop. I'm not gonna mess with him--are you?

Who is this guy that every city in America wants to claim as their own? This painter who lives in the desert, this first-rate, first-take actor, this singer who makes other men poets, boxing clever with every word, talking like America.

Speedy...straight-up...in headlines...coming through with the big shtick, the aside, the quiet compliments...the good cop/bad cop all in the same breath.

You know his story 'cause it's your story.

Frank walks like America, cocksure...

It's 1945 . The US cavalry are trying to get their asses out of Europe, but they never really do. They are part of another kind of invasion. A.F.R. American Forces Radio, broadcasting a music that will curl the stiff upper lip of England and the rest of the world, paving the way for rock 'n'roll with jazz, Duke Ellington, the big band, Tommy Dorsey and, right out in front, Frank Sinatra.

His voice tight as a fist, opening only at the end of a bar, not on the beat, over it...playing with it, splitting it...like a jazz man, like Miles Davis...turning on the right phrase in the right song, which is where he lives, where he lets go, and where he reveals himself...his songs are his home and he lets you in...but, you know, to sing like that you've got to have lost a couple o'fights...to know tenderness and romance, you have to have had your heart broken.

People say Frank hasn't talked to the press. They want to know how he is, what's on his mind. But you know, Sinatra is out there more nights than most punk bands...selling his story through his songs, telling and articulate in the choice of those songs...private thoughts on a public address system...generous.

This is the conundrum of Frank Sinatra...left and right brain hardly talking, boxer and painter, actor and singer, lover and father, troubleshooter and troublemaker, bandman and loner, the champ who would rather show you his scars than his medals. He may be putty in Barbara's hands, but...I'm not gonna mess with him, are you?

Ladies and gentlemen, are you ready to welcome a man heavier than the Empire State, more connected than the Twin Towers, as recognizable as the Statue of Liberty...and living proof that God is a Catholic?

Will you welcome the King of New York City...FRANCIS...ALBERT... SINATRA!

T.Bode
Verschollener


Beiträge: 836

15.05.2006 09:09
#6 RE: Duets (Capitol-Album, 1993) Zitat · antworten
Das schrecklichste Duett ist m.E. im Moment das mit der Soul-Tonne Aretha Franklin (auf der Schrecklichkeitsskala nach der ebenso indiskutablen wie unfreiwillig komischen stimmlichen Zusammenkunft mit Potenzpille Iglesias).
Die Krankheit der Duets-Alben ist mannigfacher Natur, hier wäre zum einen de sterile und künstliche Atmosphäre zu nennen, welche im Aufnahmeverfahren begründet liegt, zum Anderen die Songauswahl.
Eine der größten Probleme sind jedoch die Duett-Partner, besonders wenn sie sich auf stinkend-penetrante Art und Weise auf Sinatra's Kosten zu profilieren versuchen.
Was diese Gattung der Duett-Partner angeht dürfte die Franklin die schlimmste sein.

Es gibt im Übrigen ein "Making-Of" der Duett-Alben, welches seinerzeit auf Premiere ausgestrahlt wurde und von der Machart her genauso Täuschung ist wie das Album selbst. Häufig wurden die Duett-Partner im Smoking oder worin auch immer gefilmt, während sie die Lippen zum Playback ihrer Einspielungen bewegen und einige einschmeichelnde Gesten "zu Sinatra hin" machen. Das Ganze wurde dann in einen Live-Auftritt von Sinatra kopiert, so dass wohl der Anschein erweckt werden sollte, die beiden hätten zusammen auf der Bühne gestanden.
Die Franklin sieht übrigens aus, als sei sie im Vorfeld in eine Altkleider-Tonne gefallen, dies aber nur am Rande bemerkt.
Das Ganze ist oftmals derartig plump, dass selbst einem blinden und tauben Poster aus dem Family-Forum der Betrug auffallen müsste.
Bei Kenny G., der sich während des Drehs zu dieser "Dokumentation" übrigens in einer Art Grinsestarre befand (sieht gefährlich nach Schlaganfall aus), hat man sich nicht mal diese Mühe gemacht.
Er sitzt stattdessen in einem Aufnahmestudio oder viel eher Regieraum, während man eben dort auf einem Monitor einen Live-Auftritt von Sinatra sieht ("One For My Baby"), während dessen dudelt er einfach irgendwas vor sich hin, obwohl es auch hier wieder stark nach Playback riecht.
Frage an die Experten: Gibt es eigentlich Informationen, ob Kenny G. sein aus dem Kreuz geleiertes Gedudel auch für "One For My Baby" eingespielt hat? Dieses Video lässt es einen fast ahnen.
Das würde bedeuten, dass selbst die raffgierigen Produzenten es als Sakrileg ansahen, Sinatra's großartige Performance bei diesem Song durch Kenny G.'s gefährliches Schlangenbeschwörungsgedudel zu verpesten. Sehr weise, sonst hätten sie auch gleich in den heiligen Gral pissen können.
Kenny G. meint zu Anfang übrigens sinngemäß, dass Sinatra sich nicht schade wäre, neue Elemente in seine Musik einfließen zu lassen - das ist in etwa richtig und ob es lässt sich bestimmt darüber streiten, ob es aus künstlerischer Sicht immer die richtige Entscheidung war, jedoch scheint mir "OFMB" der beste Beweis dafür zu sein, dass Sinatra eben nicht die Entscheidungsgewalt darüber hatte, auf welche Art und Weise seine Anspielungen seine Aufnahmen letztendlich für das Album verunstaltet werden.
Und ich glaube auch nicht, dass sich Sinatra sich dieses Enderzeugnis je angehört hat, sonst hätte man ihn schon 93/94 zu Grabe tragen können.

Zwei weitere Höhrpunkte des Videos sind übrigens die beiden Latino-Langweiler Secada respektive Miguél.
Der beiden kraftlos-deplacierter Gesang wirkt derart kontrastierend zu Sinatra's auch nicht mehr so frischer Stimme, dass es einem die Sprache verschlägt.
Dagegen wirkt selbst Sinatra's greises Geseier bei "In lama land, there’s a one man band
And he’ll toot his flute for you" nach dem sprichwörtlichen Jungbrunnen.

Frage an Holger: Kennst Du diese "Duets"-Dokumentation?


Thorsten Bode

"May you all live to be 150 years old, and may the last post you read be mine!"

T.Bode
Verschollener


Beiträge: 836

15.05.2006 09:57
#7 RE: Duets (Capitol-Album, 1993) Zitat · antworten
Ah Aha!
Hier zwei Ausschnitte, damit sich das werte Publikum überhaupt vorstellen kann, wobon ebend zum Teil geredet habe.
Besonders Holgers und Alex' Ansicht hiezu würde mich interessieren.

http://www.youtube.com/watch?v=QJ6cHk8VCLo

http://www.youtube.com/watch?v=SR11cHzBuPU

Thorsten Bode

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Holger Schnabl
Prinzipal & Melancholiker


Beiträge: 1.635

27.05.2006 14:05
#8 RE: Duets (Capitol-Album, 1993) Zitat · antworten

Guten Tag!

Weite Teile dieser Dokumentation habe ich vor langer Zeit einmal im TV mitverfolgt. Ich erinnere mich gut daran, wie mir der sprichwörtliche Hut dabei hochging und mir beinahe die Grieben vom Schmalzbrot fielen. In der Tat, ich war entsetzt, wie die „Führt-die-Leute-hinters-Licht“ -Strategie der beiden Duets-Alben nunmehr also auch visuell umgesetzt wurde – So zu verfahren degradiert Sinatra in meinen Augen zu einem Popanz, zu einer Marionette, verstärkt nur den weitverbreiteten Eindruck, Sinatra sei zu diesem Zeitpunkt bereits halb senil oder aber der allerhöchsten Schonung bedürftig gewesen - kurzum ein wahre Schande. Genauso würdelos wie das Einkopieren der Monroe oder des James Dean in irgendwelche aktuelle Werbespots. Zweifelsohne werden die Leute, welche die Rechte an den entsprechenden bewegten Bildern haben, bei entsprechend hoher Gage nur zu gern bereit sein, auch Sinatra auf diese unwürdige Weise an die Werbung zu verschachern – ich wage dies hier und heute sogar zu prophezeien. Später, wenn es zu spät ist, wird sich die Welt der warnenden Worte des Prinzipals erinnern...

Mir kann ebenfalls kein Mensch weismachen, Sinatra habe sich das Duets-Endprodukt (Alben wie Schand-Dokumentation) jemals zu Gemüte geführt – und wenn Nancy Sinatra oder jemand der an der Produktion beteiligten Damen und Herren Gegenteiliges behauptet (mit einem derartigen Statement ist angesichts der vielen Lügen, die in Doku und CD-Booklet versammelt sind, durchaus zu rechnen) so erlaube ich mir, dies gelinde gesagt besonders stark anzuzweifeln. Ich denke, der greise Sinatra wird den Verantwortlichen freie Hand gelassen haben und sich nach der Einspielung seines Parts nicht mehr weiter um die Post-Produktion gekümmert haben, andernfalls hätte ihn ja unweigerlich der Schlagfluß anrühren müssen. Wer weiß, ob der Senior jemals eine CD- oder LP-Ausgabe von Duets überhaupt in Händen gehalten hat.

Ich glaube auch eher nicht, dass er bei der Auswahl der jeweiligen „Duett-Partner“ auch nur irgendein Sterbenswörtchen mitgeredet hat, außer dass er sich ganz zu Anfang einmal nach dem Zustand der Fitzgerald erkundigt haben soll (der hat man damals aber wenn ich mich nicht irre, bereits beide Beine amputiert oder aber sie stand aufgrund ihrer Diabetes kurz davor, war jedenfalls unmöglich in der Lage, ihren Beruf auszüben – Sinatra eigentlich auch nicht, aber das ist ein Thema für sich...). Oweh, die schrecklichen Duets-Platten! Selten wurde ein Mythos auf peinlichere Art und Weise zu Grabe getragen. Hätte der leider wie man hört in dieser Zeit ziemlich medikamenten-umnebelte Sinatra damals wirklich (außer dem Geld) noch Interesse an irgendetwas seine Arbeit betreffend gehabt beziehungsweise noch für nur acht Öre nicht medikamenten- oder altersbeinträchtigten Verstand, so hätte er von den in Frage kommenden Duett-Partnern zunächst Demo-Bänder angefordert oder anfordern lassen, um zu sehen, wie es um deren Eignung denn überhaupt bestellt war, oder meinen Sie nicht auch, werthes Publicum? Zunächst stand Sinatra ja sehr skeptisch den Duets-Plänen gegenüber, sah gar keinen Sinn die Songs erneut aufzunehmen, wollte gar kein neues Album aufnehmen – hat ihn nur die Aussicht auf kommerziellen Erfolg umgestimmt? Wurde er am Ende von Barbara dazu gezwungen?



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H.S.
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T.Bode
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Beiträge: 836

13.08.2006 00:07
#9 RE: Duets (Capitol-Album, 1993) Zitat · antworten
Vielleicht sollten wir uns mal die Frage stellen, welche Duets-Partner vom musikalischen Standpunkt aus, optimal für dieses Album gewesen wären.
Und welche Songs!

Ich schätze diese Dame ja über alle Maßen und glaube, dass Tina Turner mit Frank Sinatra harmoniert hätte. Ich könnte mir hier den Song "Saturday Night Is The Loneliest Night..." oder "Come Dance With Me" für die beiden vorstellen.

Holger, könntest du dir die Paarung Turner-Sinatra vorstellen und falls ja, bei welchem Song?


Thorsten Bode

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Holger Schnabl
Prinzipal & Melancholiker


Beiträge: 1.635

13.08.2006 23:42
#10 RE: Duets (Capitol-Album, 1993) Zitat · antworten

Guten Tag!

Offen gestanden – Sinatra und Tina Turner als Duettpartner könnte ich mir nicht einmal unter LSD vorstellen. Obwohl ich Frau Turner an sich schätze, denke ich doch dass sie in der Musiksparte Great American Songbook ebenso wenig überzeugt hätte wie ein Bono oder eine Chrissie Hynde.

Das Duets-Projekt ist durch die Mitwirkung großteils ungeeigneter Sänger und Sängerinnen künstlerisch völlig minderwertig und überdies zu einem völlig falschen Zeitpunkt angegangen worden. Kommerziell zwar überaus erfolgreich, aber künstlerisch ein Fiasko.

Mit wem und wann wäre es künstlerisch von Wert gewesen? Auf jeden Fall in der Zeit von etwa 1955 bis 1970 und bei Verwendung von Duett-Partnern „vom Fach“. Im genannten Zeitraum war Sinatra hervorragend (1955-65) bis zumindest befriedigend (1966-70) bei Stimme, zudem wären viele passende Künstler aus dem Jazz- und Songbook-Bereich noch am Leben und aktiv gewesen: Ella Fitzgerald, Sarah Vaughn, Carmen McRae, Nancy Wilson, Mel Torme, Dean Martin, Louis Armstrong, Rosemary Clooney, Keely Smith, Shirley Bassey, Sammy Davis jr. und eine ganze Reihe anderer, welche sich sehr gut geeignet hätten.

1993 war der allerfalscheste Zeitpunkt für ein Duett-Album: Sinatra war uralt, dem gemäß schlecht bei Stimme, viele Stars, die als Duettpartner geeignet gewesen wären (s.o.), waren bereits tot oder nicht mehr arbeitsfähig.

Um einen Goldesel zu schaffen, griffen die Produzenten 1993 ohne jedes künstlerische Gespür auf populäre Künstler aus dem Pop-Bereich zurück, deren Befähigung für die Interpretation von Titeln aus dem American Songbook mehr als zweifelhaft war und deren Leistungen dann, wie wir wissen, großteils desaströs ausgefallen sind.

Es ist eine Schande und ein garstiger, äußerst unappetitlicher Fleck auf Sinatras Denkmal, dass ausgerechnet ein gräßlich-groteskes Retorten-Produkt wie „Duets“ sein kommerziell erfolgreichstes Album wurde. Wahrlich ein schrecklicher Homunculus, den man damals zum Leben erweckt hat... Traurig stimmt natürlich, dass Sinatra ausgerechnet mit so einer kläglichen künstlerischen Missgeburt den Schlusspunkt seiner Laufbahn setzte. Eigentlich geradewegs unverzeihlich, dass er sich für einen derartigen Hokuspokus zur Verfügung gestellt hat.




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Bunsenbrenner Bruno


Beiträge: 237

17.08.2006 12:49
#11 RE: Duets (Capitol-Album, 1993) Zitat · antworten

Sinatra hatte es noch drauf, er war immer noch der Beste!

Bunsenbrenner Bruno


Beiträge: 237

20.07.2011 09:30
#12 RE: Duets (Capitol-Album, 1993) Zitat · antworten

Duets solo habe ich vor genau 6 Tagen runtergeladen und dann angehört. Dann habe ich geweint. Und geweint. Und die tränen abgewischt. Und geweint.
Witchcraft ist so als ob Herr Sinatra ein LEtztes Mal auf dem Sterbebett sein Lieblingslied singt. Da kann man nur weinen.

Die letzte Salbung des Showbusiness das ist Duets.

 Sprung  

Sehr geehrte Damen und Herren Leserinnen und Leser - Sie befinden sich in einer Kommunikationseinrichtung, welche den ENTERTAINER OF THE CENTURY (mit anderen Worten SINATRA, SINATRA und nochmals SINATRA) in ersprießlicher Weise thematisiert wissen möchte. Geschätztes Publicum: Diese Einrichtung ist in der Tat so hochgradig erquickend, so ungemein gastlich, der Wohlfühlfaktor so enorm hoch, dass es kurzum nichts Geringeres denn eine wahre Lust ist, sich hierorts aufzuhalten und sich durch die mannigfaltigen Rubriken zu bewegen! Sehen Sie sich gut und in aller Ruhe um und Sie werden - darauf mein Wort - nicht umhinkommen zu sagen: "Hier ist es schön, hier will ich bleiben."

*** Wertes Publicum: FRAU CHARLOTTE ROCHE ist eine GÖTTIN - eine WAHRE GÖTTIN ***

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